Mühlen warnen vor Engpässen

29.10.2021

 Die Getreide-Verarbeiter fordern von ihren Kunden, höhere Mehlpreise zu akzeptieren. Fehlende Transportkapazitäten verschärfen die Probleme bei der Rohstoffbeschaffung.
So einen Getreidemarkt habe er in seinem gesamten Berufsleben noch nicht erlebt, so Michael Gutting, Müller und Präsidiumsmitglied im Verband der Getreide-, Mühlen- und Stärkewirtschaft (VGMS): „Es ist derzeit schwierig bis nahezu unmöglich, Getreide mit passenden Qualitäten in ausreichenden Mengen zu beschaffen. Und wenn wir Getreide kaufen können, können wir es nicht transportieren.“ Obwohl das Preisniveau auf den Getreidemärkten ausgesprochen hoch sei, könne der Getreidehandel die Nachfragen nach Getreide nicht ausreichend bedienen. Die Gründe dafür sind nach Einschätzung des VGMS vielfältig. Marktkenner raten dazu, sich spätestens jetzt um die langfristige Beschaffung der Rohstoffe für die kommenden Monate zu kümmern, um Versorgungsengpässe im Frühjahr noch abzuwenden.
 
Eine unterdurchschnittliche Ernte mit extrem heterogenen Qualitäten in Deutschland, vor allem aber schlechte Ernten in wichtigen Anbauregionen in der Welt, führen zu extrem turbulenten Getreidemärkten. Die Preise für Getreide steigen und erreichen inzwischen historische Höchststände. Fehlende Mengen und Qualitäten in anderen Ländern machen das Exportgeschäft mit Qualitätsweizen derzeit sehr attraktiv. Die deutschen Drittlandexporte an Weichweizen summieren sich bisher auf rund 1,07 Mio. t – gut doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum, beschreibt der Branchenverband die aktuelle Situation.
 
Zudem fehle es überall an Transportkapazitäten. Weder Lkw noch Schiffe seien zu bekommen, wie nahezu alle Mitgliedsunternehmen berichten würden. „Wir sehen massive Versorgungsengpässe, die Situation ist in der gesamten Logistik überaus heikel und ein Nadelöhr in der Rohstoffbeschaffung wie bei der Belieferung der Kunden“, schätzt Peter Haarbeck, Geschäftsführer im VGMS, die aktuelle Lage ein. Obwohl die Kosten für sämtliche Rohstoffe, Energie und Logistik oder auch für Verpackungsmaterialien drastisch gestiegen sind, scheine der Ernst der Lage noch nicht bei allen Marktpartnern angekommen zu sein. So würden gestiegene Rohstoffpreise und Kosten weiterhin ignoriert. Offenbar werde auf eine sich entspannende Lage spekuliert. Gutting sagt dazu: „Wir können bei der derzeitigen Situation am Markt für die Kunden erst Rohstoffe einkaufen und produzieren, wenn Bestellungen zu den an die aktuelle Situation angepassten Preisen vorliegen. Alles andere ist unternehmerischer Selbstmord.“
 
Derzeit ist nicht laut VGMS abzusehen, wie sich der Markt weiterentwickelt. Branchenexperten prophezeiten, dass das Getreide in diesem Jahr dort hinfließen wird, wo die höchste Zahlungsbereitschaft besteht. Und das sei derzeit nicht der deutsche Markt.

Quelle: agrarzeitung


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